Prüfungspraxis


Richtertätigkeit bei neuer VZPO

Details Erstellt: 10. Januar 2018

 

Zum Thema neue VZPO werde ich häufig gefragt, ob vor Antritt der Richtertätigkeit eine erneute Richterschulung

absolviert werden muss.

Meine Antwort: In der neuen VZPO sind gravierende Änderungen zur alten Version, die unbedingt beachtet werden müssen. Jeder Verbandsrichter muss vor seiner Richtertätigkeit in Besitz einer neuen VZPO sein und Kenntnisse über die

Änderungen erlangen. Dieses geschieht im Regelfall durch Selbststudium. Die alte Prüfungsordnung ist nicht mehr gültig und somit auf der Prüfung nicht mehr mitzuführen.

Unabhängig davon wird eine baldige Richterschulung empfohlen, ist aber nicht verpflichtend.

Es gilt weiterhin die Vorschrift aus der Richterordnung zur Teilnahme an einer Richterschulung mindestens alle vier Jahre.

Friedhelm Röttgen 


Federwildschleppe
Apport des Federwildes auf dem Rückweg der Schleppe

Folgen frei bei Fuß und Ablegen

Veröffentlicht: 20. Juni 2016

 

Bei einer VGP geht der Führer mit seinem Hund die von den Richtern vorgegebene Strecke frei bei Fuß. Der Hund geht dabei korrekt neben dem Führer. Wenn der Führer stehen bleibt, setzt sich der Hund ordentlich neben dem Führer hin. Beim ausgemachten Platz legt der Führer den Hund ab und pirscht in aller Ruhe zum wartenden Richter um dort die beiden Schrotschüsse abzugeben.

Der Hund bleibt ruhig liegen. Auf Anweisung des Richters geht der Hundeführer zu seinem Hund zurück. Der Führer leint ihn an und will zur Korona zurückgehen.

Der Richter fordert ihn daraufhin auf, den Hund sofort wieder abzuleinen und frei bei Fuß zur Korona zurückzukehren.

 

Frage: Ist die Anweisung des Richters korrekt?

 

Antwort:

Nein! Das Fach „Folgen frei bei Fuß" und das Fach „Ablegen" ist nach dem Zurückkehren des Führers an den abgelegten Hund beendet. Der Führer kann seinen Hund daher anleinen und mit dem Hund zur Korona zurückkehren.

 

Entscheidung der Stammbuchkommission vom 10.01.2015 


Haarwildschleppe auf der VGP

Veröffentlicht: 13. Januar 2017

 

Auf einer VGP zieht ein Richter die Kaninchenschleppe im Wald. Der Hundeführer setzt seinen Hund an und schickt ihn zum Verlorenbringen. Nach geraumer Zeit kommt der Rüde mit dem Kaninchen im Fang zurück, setzt sich vor dem Hundeführer und gibt korrekt aus.

Kurze Zeit später kommt der Richter zurück und teilt den beiden erstaunten Mitrichtern mit, dass der Hund durchgefallen sei, da er nur durch sein engagiertes Eingreifen vom Vergraben des Kaninchens abgehalten werden konnte.

Der Hund hätte nach seiner Einwirkung das Kanin ergriffen und sei in Richtung Führer gelaufen. Der Richterobmann teilt darauf dem Hundeführer mit, dass der Hund die Prüfung nicht bestanden habe.

 

Frage: Ist die Handlungsweise der Richter korrekt?

 

Antwort:

Nein! Es ist nicht die Aufgabe der Richter auf den Hund korrigierend einzuwirken. Die Richter müssen vielmehr im Prüfungsverlauf einer VGP die Leistungen eines Hundes bewerten. Schneidet ein Hund an, vergräbt oder knautscht hochgradig, so ist es die Aufgabe des Richters dieses zu beobachten und nachdem der Hund „Fakten" geschaffen hat, diese zu berichten und zu beurteilen. Keinesfalls ist es Aufgabe des Richters zu einem Zeitpunkt einzugreifen in dem noch keine Tatsachen geschaffen wurden. Eine Prüfung ist kein Übungstag und der Verbandsrichter ist nicht Helfer des Hundeführers bei der Abrichtung!

Im konkreten Fall hat der schleppenziehende Richter einen eklatanten Fehler in der Anwendung der PO gemacht. Kommt es zu einem frist- und formgerechten Einspruch seitens des Hundeführers, so ist dem Hund eine Ersatzschleppe zu gewähren.

 

Entscheidung der Stammbuchkommission vom 10.09.2016

 


Schleppwild

Veröffentlicht: 13. Januar 2017

 

Auf einer HZP(VGP/VPS) übergibt der Hundeführer dem schleppenziehenden Richter eine Ente. Beim Befestigen der

Schleppschnur stellt der Richter fest, dass die Ente nicht vollständig aufgetaut ist. Er lehnt es daraufhin, in Absprache mit seinen Mitrichtern, gegenüber dem Führer ab, die Schleppe mit dieser Ente herzustellen.

 

Frage: Ist die Haltung der Richter korrekt?

 

Antwort:

Ja! Die Prüfungsordnung fordert möglichst frischtotes Wild. Selbstverständlich erfüllt auch nach der Erlegung tiefgefrorenes und vor der Prüfung wieder vollständig aufgetautes Wild die Bedingungen der PO, sofern es keine artfremden Gerüche angenommen hat, naturbelassen (nicht ausgenommen) und frisch ist. Die Richter dürfen mit Wild, das nicht den Vorgaben der PO entspricht keine Schleppen ziehen.

 

Entscheidung der Stammbuchkommission vom 10.08.2016


Feststellung der Schussfestigkeit auf VJP und HZP

Veröffentlicht: 20. Juni 2016

 

Während des zweiten Suchenganges bittet der Richterobmann einen Hundeführer auf sein Kommando einen Schrotschuss abzugeben.

Als der Rüde in flottem Tempo und deutlich erkennbarem Finderwillen auf ca. 35 m vor dem Hundeführer quersucht, gibt der Obmann dem Hundeführer das Kommando zur Schussabgabe. Nach Abgabe des Schusses wird die Suche des Rüden zunächst deutlich kürzer und weniger drangvoll, dann läuft der Hund nur noch im unmittelbaren Nahbereich des Führers umher, ohne zu suchen.

Erst durch mehrfache, aufmunternde Kommandos und Gesten des Hundeführers beginnt der Hund, nach etwas weniger als einer Minute nach Schussabgabe, wieder zu suchen. Nach Abgabe des zweiten Schusses zeigt der Rüde das gleiche Verhalten. Die Richtergruppe kommt zum Entschluss die Schussfestigkeit nach Ablauf einer halben Stunde nochmals zu überprüfen und vorher dem Hund die Gelegenheit zu einer Hasenspur zu geben, damit dieser wieder etwas „freier“ wird.

Bei der zweiten Überprüfung zeigt der Rüde keine Auffälligkeiten.

Die Richtergruppe bescheinigt dem Rüden „schußfest".

 

Frage: Ist die Vorgehensweise der Richtergruppe korrekt?

 

Antwort

Nein! Das Verhalten des Rüden wies bei der ersten Beurteilung eine eindeutige „negative Reaktion" im Sinne der PO auf. Eine Wiederholung der Prüfung der Schussfestigkeit ist nur dann zulässig, wenn sich das Verhalten des Hundes bei der ersten Überprüfung des Hundes nicht sicher beurteilen lässt. Dies ist im Fallbeispiel nicht gegeben. Der Rüde hat sich durch die Schussabgabe eindeutig beeindruckt gezeigt und sich in der Weiterarbeit stören lassen. Da er innerhalb einer Minute die Arbeit wieder aufnahm, ist der Hund als „schußempfindlich" einzustufen.

 

Entscheidung der Stammbuchkommission vom 00.00.2016 


Lautfeststellung auf der VJP

Veröffentlicht: 20. Juni 2016

 

Bei einer VJP kommt ein Hund an Rehwild, das er sichtlaut verfolgt. Die Richter notieren sich in ihren Richterbüchern

„Laut am Rehwild". Im weiteren Verlauf der Prüfung kommt der Hund an einen Hasen, den er sichtlaut jagt. Auch dies vermerken die Richter in ihren Richterbüchern. Beim Ausfüllen der Zensurentafel ergeben sich unterschiedliche Meinungen. 2 Richter meinen, dass der „Laut am Rehwild" und der „Laut am Hasen“ eingetragen werden müssen. Der Obmann meint, dass nur der Laut am Hasen eintragen werden muss, da der Laut an anderem Haarwild nur dann eingetragen wird, wenn im gesamten Prüfungsverlauf kein Laut an Fuchs bzw. Hase festgestellt wird.

 

Frage: Welche Aussage ist korrekt?

 

Antwort

Der Obmann hat Recht! Wenn bei einer Prüfung nur der Laut am Rehwild festgestellt wird, wird unter Laut am anderen Haarwild „Rehwild" angegeben und vom Prüfungsleiter zusätzlich unterschrieben. In diesem Fall wird unter „Art des Jagens" das Kästchen „fraglich“ angekreuzt. Spl., sil. oder waidlaut wird nur an Fuchs oder Hase vergeben. Wenn der Hund während der Prüfung auch an einem Fuchs oder Hasen Laut gibt, muss der entsprechende Laut dort angekreuzt werden und die Eintragung für das Rehwild entfällt.


Apport der Ente
Apport der Ente nach Feststellung der Schußfestigkeit am Wasser

Schußfestigkeit am Wasser

Veröffentlicht: 20. Juni 2016

 

Auf einer HZP wird die tote Ente für den am Ufer sitzenden Hund sichtig auf das offene Wasser geworfen. Der Hundeführer

fordert seinen Hund zum Bringen auf. Der geschnallte Hund läuft im Uferbereich und in der Flachwasserzone aufgeregt auf und ab, nimmt aber das tiefe Wasser nicht an. Nach etwas mehr als einer Minute fordert der Richterobmann den Hundeführer auf seinen Hund anzuleinen. Er teilt dem Hundeführer mit, dass sein Hund nicht schussfest am Wasser sei und er deshalb gem. PO nicht hinter lebender Ente geprüft werden dürfe.

 

Frage: Ist diese Aussage korrekt??

 

Antwort

Diese Aussage ist nur teilweise korrekt. Falsch ist, dass der Hund nicht schussfest am Wasser sei. Diese Aussage kann nur getroffen werden, wenn der Hund im tiefen Wasser schwimmt und der Hund bei Schußabgabe ängstlich reagiert. Wenn

der Hund das Wasser aber gar nicht annimmt, kann die Schußfestigkeit auch nicht überprüft werden. Es ist daher unter Grund des Nichtbestehens einzutragen: „Hund nimmt Wasser zur Feststellung der Schußfestigkeit nicht an"

Über die Gründe hierfür kann man nur mutmaßen. Richtig ist, dass der Hund nicht hinter der lebenden Ente geprüft werden darf. Hierzu ist grundsätzlich neben dem Verlorensuchen und -bringen einer toten Ente aus der Deckung im Vorfeld die

Schußfestigkeit am Wasser Voraussetzung.

 

Entscheidung der Stammbuchkommission vom 10.6.2015