Prüfungspraxis


Lautfeststellung auf der VJP
Veröffentlicht: 20. Juni 2016

 

Bei einer VJP kommt ein Hund an Rehwild, das er sichtlaut verfolgt. Die Richter notieren sich in ihren Richterbüchern „Laut am Rehwild". Im weiteren Verlauf der Prüfung kommt der Hund an einen Hasen, den er sichtlaut jagt. Auch dies vermerken die Richter in ihren Richterbüchern. Beim Ausfüllen der Zensurentafel ergeben sich unterschiedliche Meinungen. 2 Richter meinen, dass der „Laut am Rehwild" und der „Laut am Hasen“ eingetragen werden müssen. Der Obmann meint, dass nur der Laut am Hasen eintragen werden muss, da der Laut an anderem Haarwild nur dann eingetragen wird, wenn im gesamten Prüfungsverlauf kein Laut an Fuchs bzw. Hase festgestellt wird.

Frage
:
Welche Aussage ist korrekt?

Antwort
Der Obmann hat Recht! Wenn bei einer Prüfung nur der Laut am Rehwild festgestellt wird, wird unter Laut am anderen Haarwild „Rehwild" angegeben und vom Prüfungsleiter zusätzlich unterschrieben. In diesem Fall wird unter „Art des Jagens" das Kästchen „fraglich“ angekreuzt.
Spl., sil. oder waidlaut wird nur an Fuchs oder Hase vergeben. Wenn der Hund während der Prüfung auch an einem Fuchs oder Hasen Laut gibt, muss der entsprechende Laut dort angekreuzt werden und die Eintragung für das Rehwild entfällt.

 


Feststellung der Schussfestigkeit auf VJP und HZP
Veröffentlicht: 20. Juni 2016

 

Während des zweiten Suchenganges bittet der Richterobmann einen Hundeführer auf sein Kommando einen Schrotschuss abzugeben. Als der Rüde in flottem Tempo und deutlich erkennbarem Finderwillen auf ca. 35 m vor dem Hundeführer quersucht, gibt der Obmann dem Hundeführer das Kommando zur Schussabgabe. Nach Abgabe des Schusses wird die Suche des Rüden zunächst deutlich kürzer und weniger drangvoll, dann läuft der Hund nur noch im unmittelbaren Nahbereich des Führers umher, ohne zu suchen. Erst durch mehrfache, aufmunternde Kommandos und Gesten des Hundeführers beginnt der Hund, nach etwas weniger als einer Minute nach Schussabgabe, wieder zu suchen. Nach Abgabe des zweiten Schusses zeigt der Rüde das gleiche Verhalten. Die Richtergruppe kommt zum Entschluss die Schussfestigkeit nach Ablauf einer halben Stunde nochmals zu überprüfen und vorher dem Hund die Gelegenheit zu einer Hasenspur zu geben, damit dieser wieder etwas „freier“ wird. Bei der zweiten Überprüfung zeigt der Rüde keine Auffälligkeiten. Die Richtergruppe bescheinigt dem Rüden „schußfest".

Frage
:
Ist die Vorgehensweise der Richtergruppe korrekt?

Antwort
Nein! Das Verhalten des Rüden wies bei der ersten Beurteilung eine eindeutige „negative Reaktion" im Sinne der PO auf. Eine Wiederholung der Prüfung der Schussfestigkeit ist nur dann zulässig, wenn sich das Verhalten des Hundes bei der ersten Überprüfung des Hundes nicht sicher beurteilen lässt. Dies ist im Fallbeispiel nicht gegeben. Der Rüde hat sich durch die Schussabgabe eindeutig beeindruckt gezeigt und sich in der Weiterarbeit stören lassen. Da er innerhalb einer Minute die Arbeit wieder aufnahm, ist der Hund als „schußempfindlich" einzustufen.
Entscheidung der Stammbuchkommission vom 00.00.2016

 


Verbot der Richtertätigkeit bei Befangenheit.

 

Auf einer VJP hat sich ein Richter am Prüfungsvorabend krankheitsbedingt entschuldigt und abgesagt. Es soll eine Richteranwärterin einspringen. Hier stellt sich heraus, dass sie den Vaterrüden des Prüflings ausgebildet hat, dieser aber inzwischen in die USA verkauft wurde.

 
Frage: Darf die Anwärterin bei dem Hund als Notrichterin fungieren?

Antwort: Nein

 

Begründung: Zulassung zu Prüfungen § 23 der Satzung des JGHV Verbot der Richtertätigkeit bei Befangenheit.

Die Rahmenrichtlinien des JGHV untersagen eine Tätigkeit eines Verbandsrichters, Richteranwärters und auch Notrichters bei Befangenheit. Hierunter fallen eigene, selbst ausgebildete, gezüchtete und geführte Hunde sowie deren Nachkommen der ersten Generation dieser Hunde. Das Gleiche gilt für die Nachkommen eines Zuchtrüden.

Auch wenn der Rüde verkauft wurde, darf sie demnach selbst als Notrichter nicht zum Einsatz kommen. Richtet oder anwärtert sie dennoch, werden die Ergebnisse sowohl für den Hund als auch für ihre Richteranwartschaft nicht anerkannt.

Entscheidung der Stammbuchkommission JGHV vom 10.03.2019


 Schleppe, Herstellen durch Richteranwärter

 Veröffentlicht: 13. Januar 2017

 

Frage: Darf ein Richteranwärter allein auf einer HZP eine Schleppe legen?

Antwort: Die Frage ist zu verneinen.

 

Nach den Bestimmungen der PO sind die Schleppe von einem Richter herzustellen. Diese Anordnung hat ihren guten Grund. Wenn eine auf diesem Gebiet unerfahrene Person die Schleppen herstellen dürfte, wäre die Gefahr einer unsachgemäßen Arbeit groß (Herstellen des „Anschusses", Richtung, Haken, Länge, Ablegen des Wildes usw.). Andererseits muss gewährleistet sein, dass ein Richteranwärter die Technik und die Bestimmungen für das Legen einer Schleppe beherrscht, bevor er zum Verbandsrichter ernannt wird. Es verstößt nicht gegen den Sinn der PO, wenn ein Richteranwärter unter Aufsicht eines Richters die rein handwerklichen Tätigkeiten beim Legen der Schleppe ausführt. Er befestigt das Schleppwild an der Schleppleine, stellt den Anschuss her und zieht nunmehr die Schleppe, indem er unmittelbar dem vorangehenden Richter folgt. Am Ende legt er wieder unter unmittelbarer Aufsicht des Richters das Bringstück nieder, nimmt das Schleppstück hoch, begibt sich gemeinsam mit dem Richter zum Versteck, legt das von der Leine befreite Schleppstück frei hin und verbirgt sich zusammen mit dem Richter. Der Richteranwärter kann auch als Erster gehen, falls nötig, durch den unmittelbar folgenden Richter gesteuert. In diesem Fall muss der Richter das Schleppstück ziehen. Merke: Derjenige, der das Schleppstück zieht, muss immer als Letzter gehen.

Entscheidung der Stammbuchkommission vom 10.06.2016

(Anm.: Diese Frage wurde bereits einmal veröffentlicht. Anlassbezogen hier nochmals zur Kenntnis)


Federwildschleppe
Apport des Federwildes auf dem Rückweg der Schleppe

Apport der Ente
Apport der Ente nach Feststellung der Schußfestigkeit am Wasser