DJV


 

Erneuter Angriff auf Jagdhunde: Wolf in Brandenburg getötet

 

06. November 2019 (DJV) Berlin

 

Medienberichten zufolge hat ein Wolf am Wochenende in Brandenburg Jagdhunde attackiert. Ein Jäger hat den Wolf daraufhin getötet. Es wäre bereits der zweite Vorfall dieser Art in Deutschland. DJV und LJV fordern eine lückenlose Aufklärung des Falls und Rechtssicherheit für Jäger.

 

 

 

Vergangenen Samstag soll ein Wolf Jagdhunde während der Jagd attackiert haben. Medienberichten zufolge hat ein Jäger diesen deshalb getötet. Es wäre bundesweit bereits der zweite Fall - erneut in Brandenburg. Der Deutsche Jagdverband (DJV) und der Landesjagdverband Brandenburg (LJV) nehmen den Vorfall sehr ernst und fordern eine schnelle, lückenlose Aufklärung.

 

„Der Gesetzgeber muss endlich handeln und klare Regeln für einen derartigen Notstand entwickeln“, sagte DJV-Vizepräsident Helmut Dammann-Tamke. Vorbildlich sei Schweden: Dort könnten Jäger einen Wolf bereits töten, wenn er im Begriff sei, Hunde oder Nutztiere zu attackieren. Zuvor müsse allerdings versucht werden, den Wolf durch Rufen und Warnschüsse in den Boden zu vertreiben.

 

An Jäger und andere Hundebesitzer appellieren beide Verbände: Bei vermeintlichen Wolfsattacken umgehend einen Tierarzt einschalten und eine DNA-Probe sichern lassen. Der Nachweis von Wolf-DNA ist nur wenige Stunden möglich. Die meisten Wunddesinfektionsmittel machen Proben unbrauchbar.

 

Die meisten Wolfsangriffe finden in Skandinavien von Oktober bis Dezember statt. Zwischen 1995 und 2018 gab es dort über 600 Wolfsangriffe auf Hunde. 400 endeten für den Hund tödlich, so das Norwegian Institute for Nature Research. Der DJV geht davon aus, dass auch in Deutschland die Zahl der Übergriffe auf Hunde zunehmen wird.

 

Hunde sind unentbehrliche Jagdhelfer und Familienmitglieder, die es zu schützen gilt. Ohne diese können beispielsweise Wildschweine nicht effektiv bejagt werden. Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest sind Jäger angehalten, die Bestände von Wildschweinen zu reduzieren.


 

EuGH sieht Wolfsmanagement in Finnland kritisch

10. Oktober 2019 (DJV) Berlin

 

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat sich mit einem Urteil zur Wolfsjagd in Finnland zu den Voraussetzungen einer Ausnahme vom strengen Schutz nach der FFH-Richtlinie geäußert. Ausnahmen sind danach aus vielen Gründen möglich, die Anforderungen an eine solche Entscheidung sind jedoch hoch. Zudem lässt das Urteil Raum für juristische Auseinandersetzungen.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in seinem heute veröffentlichten Urteil zur Wolfsjagd in Finnland klargestellt, dass eine behördliche Entscheidung über eine Ausnahme vom strengen Schutz nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) aus vielerlei Gründen möglich ist, aber strengen Anforderungen unterliegt. Finnland hatte eine Ausnahme zugelassen, um illegale Tötungen zu verhindern und der Bevölkerung Handlungsspielraum zu ermöglichen. Der EuGH sieht dieses Vorgehen kritisch.

 

Alle Maßnahmen, die zum Schutz von Tieren oder zur Abwehr von Schäden bisher erlaubt sind, werden durch das Urteil nicht eingeschränkt. Dazu zählt auch der Schutz von Weidetieren und Jagdhunden. Der EuGH befasst sich nur mit dem - weiter gefassten - Ausnahmegrund des Art. 16 Abs. 1e), mit dem allgemeinen Ziel der Entnahme von nach Anhang IV der Richtlinie geschützten Tieren. „Das Urteil enthält einerseits erfreuliche Klarstellungen zu den Ausnahmegründen des Artikel 16, andererseits eröffnet es auch sehr weitgehende Klagemöglichkeiten“, sagt DJV-Vizepräsident Helmut Dammann-Tamke. Wenn die Mitgliedsstaaten die Flexibilität, die Artikel 16 e) ermöglicht, im Wolfsmanagement nutzen wollen, sei der Begründungsaufwand für die Behörden erheblich. „Der DJV spricht sich daher dafür aus, die Realität endlich anzuerkennen und den Wolf in Anhang V der FFH-Richtlinie aufzunehmen“, so Dammann-Tamke. Dies sei das wirksamste Mittel um die gesellschaftliche Akzeptanz des Wolfes zu sichern.

 

Der EuGH stellt für Anhang-IV-Arten in Artikel 16 besondere Anforderungen an eine Ausnahmeentscheidung. Voraussetzung für die Ausnahme ist immer der „günstige Erhaltungszustand“ der Population und dass es keine andere zufriedenstellende Lösung gibt. Zusätzlich muss ein Ausnahmegrund erfüllt sein, etwa der Schutz von Tieren oder der öffentlichen Sicherheit. Diese sind in Artikel 16 Abs. 1 a)-d) geregelt. Der fünfte Grund in Buchstabe e) befasst sich nur allgemein mit der Entnahme, die allerdings nur selektiv, in beschränktem Ausmaß und unter strenger behördlicher Kontrolle erfolgen darf. Nach dem Urteil ist es zwar grundsätzlich möglich, auch zur Verhinderung von illegalen Tötungen eine Ausnahme vom strengen Schutz der FFH-Richtlinie zuzulassen. Die Anforderungen an die Begründung einer solchen Entscheidung, ihre Detailtiefe und die Überwachung sind - wie der EuGH jetzt nochmals betont hat - hoch. In Finnland waren diese Bedingungen nach Ansicht des Gerichtshofs wohl nicht erfüllt.

 

Über die Rechtmäßigkeit der Maßnahmen nach dem finnischen Wolfsmanagement muss nun das oberste finnische Verwaltungsgericht unter Berücksichtigung der Aussagen des EuGH entscheiden. Zu den Grundlagen der finnischen Ausnahmeentscheidung äußerte sich der Gerichtshof auf Grund der ihm vorliegenden Unterlagen kritisch.

 

Bei Unklarheiten über die Auslegung des Europarechts können Gerichte aus den EU-Mitgliedsstaaten dem EuGH Fragen vorlegen. Der EuGH beantwortet in einem sogenannten Vorabentscheidungsverfahren diese abstrakt formulierten Fragen und das nationale Gericht entscheidet anschließend über den konkreten Fall.

 

In Deutschland ist eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes geplant, um das Wolfsmanagement zu verbessern. Die dort vorgesehenen Maßnahmen bleiben jedoch deutlich hinter dem finnischen Wolfsmanagement zurück, über das der EuGH nun schon zum zweiten Mal entschieden hat. Der EuGH hatte sich bereits 2007 zur Wolfsjagd in Finnland geäußert und dabei bestimmt, dass Ausnahmen in bestimmten Fällen auch schon zulässig sein können, wenn sich die Population noch nicht in einem günstigen Erhaltungszustand befindet.


 

Ausbildung am lebenden Wild

 

Der DJV hält die Ausbildung am lebenden Tier für unverzichtbar und tierschutzkonform. Nur eine praxisgerechte Ausbildung der Jagdhunde gewährleistet eine tierschutzkonforme Jagdausübung. 

Wie diese Ausbildung durchgeführt wird, darüber können Sie sich in den nachfolgenden Filmbeiträgen selbst ein Bild machen. Wir haben die Ausbildung an der lebenden Ente, in der Schliefenanlage und im Schwarzwildgatter für Sie dokumentiert. 

Tierschutz ist aus der Sicht des DJV nicht teilbar. Daher müssen sowohl für die Niederwild-, Bau-, und Drückjagd brauchbare Hunde zur Verfügung stehen.

Warum soll die Ausbildung im Schwarzwildgatter legitim sein und in der Schliefenanlage oder der lebenden Ente nicht? Nur weil Schwarzwild in der Landwirtschaft und in den Vorgärten großen Schaden anrichten kann? Was ist mit den Auswirkungen hoher Fuchsbestände auch auf seltene Arten? Zu einer effektiven Fuchsbejagung gehört neben der Fangjagd, der Ansitz- und Drückjagd, ganz klar die Baujagd. 


 

Waldumbau mit dem Gewehr funktioniert nicht

29. August 2019 (DJV) Berlin

 

Anlässlich des Verbändegesprächs bei Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner fordert der DJV ein Umdenken in der Forstpolitik. Reh und Hirsch dürfen nicht zum Sündenbock für Sparwut und Stellenabbau in Behörden gemacht werden. 

 

Vor dem Hintergrund des heutigen Verbändegesprächs zur Situation des Waldes fordert der Deutsche Jagdverband (DJV) ein Umdenken in der Forstpolitik. Bund und Länder besitzen etwa die Hälfte aller Wälder und stehen besonders in der Verantwortung. „Die Strategie der zurückliegenden drei Jahrzehnte hat versagt, einen Grundstein für klimastabile Wälder zu legen“, sagte DJV-Vizepräsident Dr. Dirk-Henner Wellershoff während des Verbändegesprächs. Es reiche nicht, die behördlichen Abschussvorgaben für Reh und Hirsch immer weiter in die Höhe zu treiben: „Waldumbau mit dem Gewehr ist viel zu kurz gedacht“, so Dr. Wellershoff.

 

Entscheidend für den aktiven Waldumbau und Wiederaufforstung sind laut DJV langjährige und intensive Pflege- sowie Schutzmaßnahmen. Trotzdem haben die Behörden beispielsweise die Zahl der Förster in 25 Jahren halbiert und die Ausgaben für die Forstwirtschaft stark reduziert. Jetzt sollen Wildtiere wie Reh und Rothirsch der Sündenbock für Sparwut und Stellenabbau sein.

 

Jagd ist nur ein Instrument unter vielen auf dem Weg zu klimastabilen Wäldern. Die rund 384.500 Jäger nehmen ihre Verantwortung ernst und erfüllen zumeist staatliche Abschusspläne: Allein im vergangenen Jagdjahr haben sie knapp 1,2 Millionen Rehe und 77.000 Rothirsche erlegt. Waldumbau und Wiederaufforstung können nur erfolgreich sein, wenn Jagd und Forst zusammenarbeiten. Der DJV fordert deshalb ein Umdenken in der Personalpolitik, die verstärkte Einstellung von Forstwirten und Förstern sowie staatliche Subventionen für die anstehenden Umbauprozesse.

 

Entscheidend für den aktiven Waldumbau und Wiederaufforstung sind laut DJV langjährige

und intensive Pflege- sowie Schutzmaßnahmen. (Quelle: Canva/ DJV)


 

Jäger, Falkner, Hilfesteller: Greifvogel gefunden, was tun?

22. August 2019 (DJV) Berlin

 

 

Die Telefone in den Auffangstationen für Greifvögel und Eulen in Deutschland stehen aktuell nicht mehr still: Spaziergänger finden am Waldboden eine junge Eule, ein junger Falke landet bei seinem Jungfernflug in einem Hinterhof. Polizei und Feuerwehr werden zur Rettung gerufen, Vogelkinder landen in Tierheimen und Tierarztpraxen. Wie man sich bei einem Fund richtig verhält, erklären DJV und DFO im Interview mit der Betreiberin einer Auffangstation. 

Junge Greifvögel und Eulen werden gerade flügge. Sie erkunden die nähere Umgebung ihrer Nester und landen bei ihren Ausflügen schon einmal am Boden. Vermeintlich hilflos werden sie von Spaziergängern aufgegriffen und mitgenommen. Wie man sich beim Fund einer jungen Eule oder eines jungen Greifvogel richtig verhält, erklären der Deutsche Falkenorden (DFO) und der Deutsche Jagdverband (DJV) im Interview mit Sylvia Urbaniak von der Greifvogelhilfe Rheinland.

 

DJV/DFO: Ein Küken am Boden: Wie verhält sich der Beobachter richtig?

 

Sylvia Urbaniak/Greifvogelhilfe Rheinland: Hier gilt es in erster Linie zu unterscheiden, ob man ein Nestling oder einen Ästling gefunden hat. Nestlinge besitzen nur Federflaum am Körper und Ästlinge zeigen vor allem im Flügelbereich schon deutliche Ansätze von richtigen Federn, wir sagen Großgefieder dazu. Am Boden haben aber beide Altersgruppen nichts zu suchen, dort sind sie immer diversen Gefahren schutzlos ausgesetzt. Daher ist das vorsichtige Anfassen bei einem Fund eines Kükens ausnahmsweise erlaubt, da der menschliche Geruch für diese Tiere keine Rolle spielt. Der Fund einer Eule am helllichten Tag erlaubt es, den Vogel zunächst zu schützen und gegebenenfalls zu wärmen. Am besten nimmt man dann mit uns bzw. einer Greifvogelauffangstation Kontakt auf, damit man besprechen kann, wie man jetzt richtig vorgeht.

 

Welches sind die am häufigsten aufgefundenen Arten?

 

Ganz klar ist der Waldkauz die häufigste Eulenart, gefolgt von der Schleiereule und der Waldohreule. Je nach Region und Verbreitung kommen noch Steinkäuze und Uhus in Frage. Bei den Greifvögeln sind es vornehmlich der Turmfalke und der Mäusebussard.

 

Wie verhalte ich mich richtig?

 

Häufig urteilen Menschen voreilig. Sie denken, die Jungen seien verlassen. So kommt es zu leider zur klassischen „Kindesentführung“. Greifvogeleltern verlassen ihre Jungen jedoch extrem selten.

 

Welche Probleme gibt es, wenn Beobachter die Jungvögel mitnehmen?

 

Das Schlimmste was passieren kann ist, wenn wir ein Jungtiere ohne Angabe über den Fundort bekommen. Denn die oberste Priorität liegt darin das Jungtier nach eingehendem Gesundheitscheck wieder zurück zum Familienverband zu bringen. Bei Ästlingen geht das hervorragend, sie können fast alle zurück gebracht werden. Der nächste Fehler ist, zu glauben, man könne einen Greifvogel selbst aufziehen: Denn dieser muss unbedingt in fachkundige Hände gegeben werden.

 

Selbst wenn man eine Voliere zu Hause hat?

 

Ganz klar: Nein. Man kann einen solchen Vogel nicht einfach isoliert in einer Voliere oder in der Garage aufziehen bis er groß ist und glauben, dass er dann alles kann. Eulen entwickeln sich nur sehr langsam und müssen über viele Wochen von ihren Eltern in der Natur erlernen, wo man Mäuse finden kann. Das Fangen funktioniert instinktiv. Wir führen seit einigen Jahren erfolgreich die Wildflugmethode für junge Waldkäuze, Waldohreulen und Turmfalken durch, hier benötigt man viel Fingerspitzengefühl und tiefgründige Artenkenntnisse. Diese Freilassungsmethode wird auch „soft release“ genannt, hier wird unterstützend zugefüttert bis die Jungvögel sich in der Natur selbst erhalten können.

 

Wer kann mir als Laie helfen? Gibt es eine Bestimmungsmöglichkeit, wenn ich vor Ort bin und daraus resultierende Handlungsempfehlungen?

 

Alle Greifvogelauffangstationen und Falknereien können Hilfestellung leisten. Grundsätzlich ist im Frühjahr mit Funden von Waldkäuzen und Uhus zu rechnen, da diese Arten zuerst brüten. Waldkäuze kann man gut an den dunklen Augen und roten Augenlidern erkennen. Waldohreulen und Uhus besitzen orangefarbene Augen und können daher leicht vom Waldkauz unterschieden werden. Steinkäuze sind winzig klein und besitzen gelbe Augen. Anhand der Augenfarbe kann man die Arten schon recht gut unterscheiden, vor allem wenn das bleibende Gefieder noch nicht sichtbar ist. Und wenn die Eule besonders angriffslustig ist, dann ist es mit aller Wahrscheinlichkeit eine Waldohreule. Ist man sich doch unsicher kann man ein Foto vom Tier machen und uns per E-Mail senden und uns zu Rate ziehen. Bei Greifvögeln gibt es eine einfache Möglichkeit zu erkennen, ob es sich wirklich um einen solchen handelt. Denn fast alle Greifvogelarten besitzen gelbe Beine. Junge Turmfalken und Mauersegler werden ungefähr zur gleichen Jahreszeit gehäuft aufgefunden und tatsächlich immer wieder verwechselt. Sperber und Habichte werden deutlich seltener gefunden und sind an deren gelben Irisfarbe gut zu bestimmen.

Sylvia Urbaniak mit einem Turmfalken. (Quelle: Urbaniak/DJV)


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